Gedanken zum Monatsspruch Augusts finden sie unter dem Bild

Der Monatsspruch für August lautet: „Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Johannes 10, 10) 

Wer ist gemeint mit sie, so frage ich mich gleich am Anfang. Waren es gläubige Juden oder auch Menschen aus verschiedenen Orten, die nicht jüdisch waren – sogenannte Heiden? War es eine Rede an seine Jünger? Die Bibel gibt mir einige Verse vorher eine Antwort darauf. Da geht es um die Frage wer ist Jesus, ist er von Gott oder nicht? Ist er ein Prophet? Ist er der Messias? Fragen, um Jesu Identität, um Sünde, Heilung und Wunder stehen im Mittelpunkt. So zum Beispiel bei der Geschichte der Blindenheilung in Kapitel 9. Die Gemüter sind erhitzt. Die Pharisäer fühlen sich angegriffen in ihrem theologischen Verständnis, die Eltern des blinden Mannes haben Angst, sie verstecken sich und lassen ihren ehemals blinden Sohn im Stich. Und der ehemals blinde Mann, der gar nicht weiß, wie ihm geschieht, … der wiederholt und wiederholt seine Geschichte: Ich war blind, und jetzt kann ich sehen…  und am Schluss der Geschichte bekennt er sich zum Menschensohn und wirft sich vor ihm nieder.… eine furchtbare Situation für die Pharisäer, zumal sie ja Jesus beschuldigen, am Sabbat eine unerlaubte Handlung begangen zu haben.                                                                                                                   Ich denke, dass der nun sehende Blindgeborene von seinem Erlebnis her die Aussage Jesu „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ voll bejahen kann. Die anderen hatten so ihre Schwierigkeiten mit all den Begleitumständen klar zu kommen. Jesus versucht es deshalb mit einem Gleichnis, bei dem es über Hirten und Schafe geht. Eigentlich ein geläufiges Bild in der damaligen Zeit. Das Bild eines Hirten mit seinen Schafen wurde im alten Orient immer wieder auf Könige und ihre Völker angewendet. Das kam daher, dass Hirten nicht nur das Leben und Überleben ihrer Herde garantierten. Sie schützten die Herde vor Raubtieren unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Die Zuhörer Jesu verstanden nicht, was er ihnen mit diesem Vergleich sagen wollte. Das muss schon ganz nervig gewesen sein, wenn man versucht anderen etwas zu erklären und diese verstehen das, was man ihnen sagen will so ganz und gar nicht… Deshalb fuhr Jesus fort: „Ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber. Aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich eintritt, wird er gerettet werden. Er wird ein- und ausgehen und gute Weide finden. Der Dieb kommt nur, um die Schafe zu stehlen und zu schlachten und um Verderben zu bringen. Ich aber bin gekommen, um ihnen Leben zu bringen – Leben in ganzer Fülle. Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte ist bereit, sein Leben für die Schafe herzugeben. (NGÜ)                                                                                                                Johannes stellt in seinem Evangelium Jesus einem Dieb gegenüber. Der Dieb raubt anderen, was sie zum Leben nötig haben. Wer waren diese ‚Diebe und Räuber‘, von denen er sprach? Es ist anzunehmen, dass Jesus bestimmte Menschen vor seinem inneren Auge hatte – Menschen, die andere zu Revolution, zu Krieg und Aufruhr aufriefen, Menschen, die im Namen der Religion Gottes Willen verfälschten und eigene Regeln aufstellten.                         Auch heute gibt es Mächte in dieser Welt, die uns das Gute rauben wollen. Unsere Freude, unser Vertrauen, unsere Hoffnung. Diese Zerstörung geschieht leise, im Alltag durch Sorgen, durch die Angst nie gut genug zu sein, Zweifel, Schuldgefühle, durch Hoffnungslosigkeit angesichts von Kriegen und Krisen. Bestimmte Ideologien, und gezielte Medienmanipulationen. All das nimmt uns etwas. Viele Menschen merken gar nicht mehr, wie ihnen das Leben gestohlen wird. Nicht plötzlich, sondern langsam Stück für Stück. Jesus sagt: Ich sehe das. Und ich lasse euch damit nicht allein.                                                                                                                                                        Jesus verspricht denen, die ihn annehmen, auf ihn hören, sich zu ihm bekennen ein Leben in Fülle. Dieses Leben in Fülle meint nicht einen materiellen Reichtum oder äußeren Erfolg. Das Leben in Fülle, im Überfluss, von dem Jesus spricht, ist nicht automatisch ein Leben ohne Probleme. Es geht hier um ein Leben in der Beziehung zu ihm. Ein Leben, das von seiner Liebe durchdrungen ist, wo mir alles zum Besten dient. Ein Leben in der Geborgenheit, im Vertrauen auf ihn. Er ist der, der weiß, wo es lang geht, der weiß, wie mein Leben gelingen kann. Ganz so, wie im Psalm 23 beschrieben: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln… nichts mangeln? Ja, das stimmt, möchte ich sagen. Mir geht es gut, ich bin zufrieden, muss nicht alles haben und mittun. So, wie ich bin, ist es ok. Denn ich weiß, wer mich täglich begleitet, bei wem ich geborgen sein kann. In diesem Vertrauen singe ich gerne ab und zu folgende Liedstrophe: So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehen und stehen, da nimm mich mit. – Ja, so soll es sein! Denn Jesus sagt: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.