Gedanken zum Monatsspruch September finden sie unter dem Bild

„Besser eine Handvoll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“       

So lautet der Monatsspruch für September, der im Buch des Predigers Kapitel 4, Vers 6 steht. Dieser Satz klingt für mich so, als ob er heutzutage als Zielvorgabe einer Burnout-Prävention oder eines Ratgebers mit dem Thema: die Kunst der Gelassenheit steht. Hochaktuell, denke ich mir. Doch diese Worte wurden vor fast 3000 Jahren vom König Salomo wahrscheinlich in seinem letzten Lebensabschnitt geschrieben. Er stellt darin tiefgründige Überlegungen über sein und das Leben anderer an. Er reflektiert über den Sinn und die Vergänglichkeit der weltlichen Dinge und fragt, ob ein Mensch sich einen bleibenden Wert in der Welt „unter der Sonne“ erarbeiten kann. Die Antwort ist ein klares Nein. Denn er beobachtete das Leben sehr genau. Er sah Menschen, die immer mehr erreichen wollten. Mehr Besitz, mehr Erfolg, mehr Anerkennung, mehr Sicherheit. Er sah Menschen, die ihre Beziehungen vernachlässigten, um etwas festzuhalten, das sich am Ende doch nicht festhalten lässt. Er kommt zu der Erkenntnis, dass alles nichtig und ein Haschen nach Wind ist. In diesem Zusammenhang ist auch der Monatsspruch zu sehen. Nachdem er dazu viele Beispiele gebracht hat, schreibt er unter dem Aspekt von dem Sinn und Unsinn der Arbeit: „Besser eine Handvoll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“                                                                                                                                                                                         

Eine Handvoll mit Ruhe bedeutet genug zum Leben zu haben, ein begrenzter Besitz, ein maßvolles Auskommen. Es geht hier um ein Leben, das nicht von Gier und Rastlosigkeit bestimmt wird. Es geht hier um ein angemessenes Einkommen, um Zeit für Familie, Freunde, Glaubensleben und Erholung zu haben. Das ist besser als ständig Überstunden zu machen und nie zur Ruhe zu kommen. Es geht hier um Dankbarkeit für das, was man hat. Das ist besser als dauernd dem nachzujagen, was man noch nicht hat. Mit der Ruhe ist gemeint: Sich Auszuruhen, ein inneres Stillwerden, einen inneren Frieden zu haben, in Gelassenheit, Zufriedenheit, in Freiheit von rastloser Sorge zu leben. Ja, ist das nicht eine erstrebenswerte Lebensweise?  Eine andere, für mich nicht erstrebenswerte Lebensweise beschreibt der weitere Vers: beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind. Da stelle ich mir einen Menschen vor, der mit beiden Händen krampfhaft an dem, was er hat, festhält und immer mehr manchmal auch unter sehr fragwürdigen Dingen zusammenträgt unter dem Motto: möglichst viel anhäufen, immer mehr haben wollen, mehr als der Nachbar, die Eltern, Bruder und Schwester haben zu müssen, einfach nicht genug kriegen. Und ich denke mir: „Besser ist es ein einfaches Leben mit innerem Frieden zu haben, als ein Leben voller Erfolg, das von Stress, Hektik und ständiger Unzufriedenheit und der Gier nach mehr bestimmt wird.“                                                                                                                                                    

Salomo, der Prediger, kritisiert nicht den ehrlich erworbenen Reichtum, Fleiß oder Arbeit an sich. Er kritisiert die Haltung, die glaubt: „Wenn ich nur noch mehr habe, dann werde ich endlich zufrieden sein.“ Das „Haschen nach Wind“ verstärkt diese Aussage: Wer versucht, den Wind einzufangen, kann ihn niemals festhalten. Der Wind entgleitet immer wieder. So beschreibt der Prediger das menschliche Streben nach immer mehr. Man erreicht ein Ziel, aber die Zufriedenheit hält nicht lange an. Sofort taucht das nächste Ziel auf. Das Herz kommt erst zur Ruhe, wenn es nicht mehr alles kontrollieren und anhäufen muss, sondern das Empfangene als Gabe Gottes annimmt. Ganz so wie es der Prediger in seinen Überlegungen schreibt: Alles hat er so eingerichtet, dass es schön ist zu seiner Zeit… Wenn ein Mensch isst und trinkt und etwas Gutes sieht, dann ist das bei all seiner Mühe doch eine Gabe Gottes. Ja so sehe ich es auch. Alles andere ist ein Haschen nach Wind und ich frage mich selbst, ob ich nicht manchmal nach dem Wind hasche, indem ich Kraft investiere und Dinge verfolge, die eh nicht zu erreichen, also vergeblich sind.                                                                                                                                                     

Martin Volpert hat 2003 ein sehr nachdenkenswertes Gedicht geschrieben. Es heißt: Haschen nach Wind. Ich zitiere die Anfangsverse davon: 

Es ist alles eitel und ein Haschen nach Wind für Menschen, die ohne Gott auf dem Wege sind. Ihr Leben bleibt leer weil es den Schöpfer nicht ehrt. Nur mit Gottes Hilfe wird's lebenswert. Es ist alles eitel und ein Haschen nach Wind, weil Ehre, Macht und Besitz stets zerrinnt. Denn gar nichts bleibt uns, zu Grabe getragen, wenn wir lebten ohne nach Gott zu fragen. Es ist alles eitel und ein Haschen nach Wind. Deshalb sandte Gott seinen Sohn… aus den Klauen des Satans befreit – werden wir Erben Gottes ewiger Herrlichkeit. Dort ist nichts eitel, gibt es kein Haschen nach Wind, weil wir bei Gott selbst beheimatet sind.