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Gedanken zum Monatsspruch Oktober 2026 von Gottfried Posch

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! (Gal 5,1) So lautet der Monatsspruch für Oktober. Paulus schreibt mit großer Aufgeregtheit an die Galater, dass sie in Gefahr stehen, ihre Freiheit zu verlieren. Er warnt: Lasst euch nicht wieder in das Joch der Knechtschaft fangen! Das „Joch der Knechtschaft“ bestand darin, dass die Galater, die vorwiegend ehemalige Heiden waren, sich von allen möglichen Leuten Vorschriften machen ließen, was sie als gläubige Christen zu tun hätten. (Kommt mir irgendwie bekannt vor.) Man forderte sie auf, alle jüdische Vorschriften zu beachten. Das waren sehr viele. Jüdische Lehrer zählten 613 Gebote auf, die nach dem Gesetz des Mose zu halten waren. Das war fast unmöglich. Ich kann den Paulus verstehen, wenn er als ehemaliger frommer Jude es als Sklaverei bezeichnete, sich allen Vorschriften zu unterwerfen. Dazu kam die Forderung, dass sie sich beschneiden lassen müssten; denn nur so können sie in den Bund Gottes mit dem Volk Israel eintreten. Erst dann sind sie gerettet und erlangen bei Gott Wohlgefallen. 

Paulus wehrt diese Ansicht entschieden ab und weist auf ihre Gefährlichkeit hin. Er schreibt: Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, so wird euch Christus nichts nützen. Ich weise jeden, der sich beschneiden lassen will, noch einmal mit allem Nachdruck darauf hin: Mit seiner Beschneidung verpflichtet er sich, das ganze Gesetz zu befolgen. Wenn ihr versucht, mit Hilfe des Gesetzes vor Gott gerecht dazustehen, habt ihr euch aus der Verbindung mit Christus gelöst, und euer Leben steht nicht mehr unter der Gnade…  wenn jemand mit Jesus Christus verbunden ist, spielt es keine Rolle, ob er beschnitten oder unbeschnitten ist. Das Einzige, was zählt, ist der Glaube – ein Glaube, der sich durch tatkräftige Liebe als echt erweist. (NGÜ) 

Kurz gesagt, es geht einfach um die Frage, welche Bedingungen erfüllt werden müssen, um selig zu werden, um in das Reich Gottes zu kommen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Sich beschneiden zu lassen und das Gesetz zu befolgen. Dann hat das, was Christus am Kreuz getan hat, mit euch nichts mehr zu tun, sagt Paulus. Dann geht es nur noch um eure guten Taten. (Werkgerechtigkeit) Ihr könnt nicht hoffen, dass Christus euch trotzdem annimmt. Oder ihr geht weiter den Weg, den Christus euch weist. Das ist der Weg des Glaubens und des Vertrauens.                                                                                                                                                      

Zur Freiheit hat uns Christus befreit.  Die Freiheit, die Paulus hier benennt, ist damit zunächst die Freiheit vom Gesetz. Paulus legt Wert darauf, dass der christliche Glaube nicht aus starren Regeln besteht, sondern aus einer lebendigen Beziehung zu Gott, die innerlich verändert. Wahre Freiheit bedeutet, Gott aus Liebe zu dienen, nicht aus Zwang. Freiheit ist ein Geschenk Jesu, das uns gegeben und durch den Glauben empfangen wird.  Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Man kann diese Aussage nicht oft genug im Zusammenhang mit der Frage 

„wie werde ich vor Gott gerecht bzw. was muss ich tun, um in das Reich Gottes, ins Paradies aufgenommen zu werden“ wiederholen.            

Zu Zeiten des Paulus war es die Frage nach der Beschneidung und der strengen Befolgung des Gesetzes. Zu Luthers Zeiten war es der Ablasshandel, die Forderung gute Werke zu tun, die Heiligenverehrung, die Speiseregeln in der Fastenzeit um vor Gott Gnade zu finden. Luther erkannte: Wer Ablassbriefe kauft um für sich und auch für die Angehörigen Sündenerlass zu bekommen bzw. eine Reduzierung der Strafen im Fegefeuer zu erreichen, fällt auf eine Irrlehre rein – da nicht biblisch begründbar.  Er konnte nicht schweigen, sondern reagierte wie einst Paulus mit klaren Worten auf diese Missstände. Wir brauchen diese Mittel nicht, meinte er, und auch keine Mittler, wobei er da an die vielen Heiligen dachte, die je nach verschiedenen Frömmigkeitsstilen bzw. Praktiken angerufen wurden. Denn jeder hat direkten Zugang zu Gott durch Jesus Christus, der für uns und unsere Sünden gestorben ist.

Und wie sieht es heute aus? Ich denke, da hat sich bisher in den beiden Glaubensrichtungen nicht viel geändert. 

Mir ist bewusst und äußerst wichtig, dass ich ein großes Vorrecht habe, mit allen Anliegen direkt und ohne Umwege mich an Gott wenden zu können. Ihm alles zu sagen, ihn zu loben, zu danken, ihn zu bitten. 

Denn nur in Jesus Christus allein liegt das Heil. (Apg. 4,12) Nur einer ist der Vermittler zwischen Gott und den Menschen: Jesus Christus. Er gab sein Leben, um die ganze Menschheit von ihrer Schuld loszukaufen. (1. Tim. 2,5) Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Eine Aufforderung, die auch für uns heute ihre Gültigkeit hat. Halten wir uns daran, mit Gottes Hilfe.